Risiko und Vorsorge


Diese Rubrik wurde in Zusammenarbeit mit Frau PD Dr. med. Gabriella Pichert, Konsiliarärztin für Krebsgenetik am Brustzentrum Bern entwickelt.

Wie hoch ist mein Risiko?

 

Eine von sieben Frauen wird im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Es besteht also für 15% der Frauen ein Risiko einmal davon betroffen zu sein.


Wenn aber Familienmitglieder im Alter unter 35 jahren an Brustkrebs erkrankt sind, beidseitiger Brustkrebs, mehrere Brustkrebserkrankungen oder Brust- und Eierstockkrebs in meiner Familie aufgetreten sind, kann mein Brustkrebsrisiko deutlich höher sein.


Ca. 80% der Erkrankungen treten nach dem 50. Lebensjahr auf.

 

Trotzdem ist es wichtig schon in jungen Jahren seine Brust zu beobachten und sich regelmässig zu untersuchen, denn immerhin tritt bei 15-20% der Frauen der Brustkrebs schon im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf.

 

Der Brustkrebs befällt in 99.9% Frauen; aber auch die Männer sind mit 0.1% aller Erkrankungen betroffen.

 

Um mein persönliches Brustkrebsrisiko herauszufinden, gehe ich am besten auf das online Portal des Amerikanischen Instituts für Brustkrebs (auf Englisch).

 

Wie hoch sind meine Heilungschancen?

 

Die gute Nachricht: ich habe mehr als 80% Heilungschance und kann nach der Behandlung im Grossen und Ganzen wieder mein gewohntes Leben leben. Die Heilungschancen erhöhen sich sogar auf 90%, wenn der Brustkrebs in einem ganz frühen Stadium entdeckt wurde. Von Heilung wird gesprochen, wenn nach fünf Jahren keine Anzeichen von Krebses mehr nachweisbar sind. Nach diesen fünf Jahren ist das Auftreten eines Rezidives (erneutes Wachsen des Tumors) oder von Metastasen (Krebsableger in Lymphknoten oder anderen Organen) selten. (siehe „Nach der Behandlung“).

 

Kann ich eine Erkrankung mit Brustkrebs vorbeugen?

 

Der Hauptrisikofaktor für Brustkrebs ist das Alter und die Erkrankungsfälle in der Familie- beide Faktoren kann ich leider nicht beeinflussen.

Aber ich kann Einfluss auf meinen Lebensstil nehmen und möglichst schon von Jugend an: 
  • Zwei Gläschen Wein: eines davon ist zu viel! Zu hoher Alkoholgenuss erhöht das Brustkrebsrisiko. Ob das Rauchen das Risiko erhöht ist wissenschaftlich nicht bewiesen; aber dass Rauchen ungesund ist, dürfte bekannt sein.
  • Not lovin’it! Gesundes Essen, nicht zu fett nicht zu süss, kommt der Gesundheit so oder so zugute. Übergewicht besonders nach der Menopause erhöht das Brustkrebsrisiko.
  • Heb das Bein: regelmässige Bewegung tut gut für Körper und Seele. Bewegung fördert die Gesundheit: sie wirkt antidepressiv, kurbelt unsere Hormone an und  reguliert das Gewicht. Bewegung mindert bewiesener Massen das Risiko an einem Brustkrebs zu erkranken.

Schwangerschaft und Stillen sind auch Faktoren, die auf das Risiko Einfluss nehmen: Schwangerschaft in jungen Jahren, mehrere Schwangerschaften mit anschliessendem Stillen können vor Brustkrebs schützen. Im Gegensatz dazu scheint eine Schwangerschaft der über 35 Jährigen das Risiko zu erhöhen.

Doch keine Angst: Schwangerschaften lassen sich meist nicht genau planen. Das eigene Alter und Erkrankungen in der Familie bergen das viel höhere Risiko!

 

Eine frühe erste Monatsblutung (unter 12 Jahren) und späte Menopause, das heisst, letzte Monatsblutung über 55 Jahre, erhöhen das Risiko leicht.

 

Die Hormonersatztherapie während den Wechseljahre erhöht das Risiko. Am besten nehme ich nur Hormone in dem Fall, dass die Wechseljahrsymptome (Wallungen, Stimmungslabilität, Trockenheit von Scheide, Augen und anderen Schleimhäuten) einem das tägliche Leben so richtig vermiesen, und dann wenn möglich nicht länger als über einen Zeitraum von fünf Jahren.

 

Alles Gerüchte:
Gebrauch von Deodorants, Schläge oder Stösse gegen die Brust, seelische Erschütterungen wie Trennung, Scheidung oder Trauerfall können keinen Brustkrebs auslösen, bzw. erhöhen das Risiko nicht!

 

Auch wenn ich mit 18 Jahren schwanger war, ein Jahr gestillt habe und viel Salat und Gemüse esse: es kann mich trotzdem treffen. Die genauen Ursachen der Erkrankung, weshalb es ausgerechnet mich treffen kann, sind trotz der Erkenntnis gewisser Zusammenhänge noch immer unklar.

 

Es bleibt also als Einziges: die Früherkennung.

 

Brustkrebs in der Familie- was soll ich tun?

 

Hinweise auf eine familiäre Neigung zu Brustkrebs sind Erkrankungen in der Familie bei Frauen unter 35 Jahren, insbesondere beidseitiger Brustkrebs, mehrere Brustkrebserkrankungen in der Familie, aber auch Eierstockkrebs.

Ob eine Überweisung zu einer genetischen Beratung sinnvoll ist, bespreche ich am Besten mit meinem Arzt. Eine Liste der in der Schweiz anerkannten genetischen Beratungsstellen finden Sie unter Genetik-Spezialisten.

Früherkennung: Wie erkennt man Brustkrebs im Frühstadium?

 

Es ist sicher nicht sinnvoll, jeden Tag seine Brust selbst abzutasten. Auch im Internet zu möglichen Anzeichen zu recherchieren, ist nicht empfehlenswert. Sie stiften mehr Verunsicherung und helfen der Früherkennung nicht. Unbestritten ist aber, dass wenn der Tumor in kleinem und frühem Stadium entdeckt wird, er mit viel besseren Heilungsaussichten operiert und behandelt werden kann. Intensive Nachbe-handlungen wie Chemotherapie oder Brustamputation können dadurch vermieden werden. Die zwei Arten der wirksamen Brustbeobachtung für die Früherkennung sind die Selbstuntersuchung und die Mammografie.

 

Die Selbstuntersuchung vor dem 50. Lebensjahr

 

Es reicht nicht, ab und zu einen Blick in den Spiegel zu werfen. Drei bis viermal im Jahr sollte ich meine Brust gründlich betrachten und abtasten, dies immer nach der Monatsblutung (7.-12. Zyklustag), am Besten unter der Dusche. Und auf was soll ich achten? Auf eine feste Stelle, einen harten Knoten, der auch tief liegen kann, aber meistens schmerzfrei ist. Wenn ein Knoten noch sehr klein ist und tief im Gewebe liegt, kann man ihn leicht übersehen. Aus diesem Grund müssen folgende Anzeichen beobachtet werden: Hautveränderungen, Rötungen, Veränderungen der Brustform, Einziehungen oder Veränderungen der Brustwarze, Austreten von Flüssigkeit, anormale Schmerzen, geschwollenen Achsellymphknoten.

Bei geringstem Zweifel sollte ein Brustkrebsspezialist aufgesucht werden. Vor dem 50. Lebensjahr ist die Selbstuntersuchung die beste Methode, einen Tumor rechtzeitig zu erkennen, wie Gynäkologen bestätigen. Es ist die wirksamste Methode, denn wir Frauen kennen unsere Brüste besser als jeder Arzt. Ein Krebs kann zudem frühzeitig entdeckt werden, wenn bei jeder ärztlichen Kontrolle die Chance genutzt wird, seine Brust vom Gynäkologen oder Hausarzt untersuchen zu lassen.

 

Sollte eine Mammografie vor dem 50. Lebensjahr durchgeführt werden?

 

In Schweden und in den USA wird die jährliche Mammografie bereits ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. In der Schweiz ist dies grundsätzlich auch möglich, aber die Patientin muss für die Kosten selbst aufkommen; es sei denn, die Mammographie wird vom betreuenden Arzt wegen einer medizinischen Indikation (Auffälligkeit) verordnet. Man sollte wissen, dass die Mammografieuntersuchung und ihre Auswertung bei jungem und dichtem Brustgewebe schwieriger ist. Man kann einen Tumor unter Umständen aufgrund des dichten Gewebes nicht erkennen, oder identifiziert eine Anomalie, wo es gar keine gibt und veranlasst daraufhin eine unnötige Biopsie. Sinn und Nutzen müssen im Vorfeld genau abwägt werden.

Nach dem 50. Lebensjahr: Mammografie im Zwei-Jahresabstand

 

In allen Westschweizer Kantonen, in St.Gallen und zum Teil im Kanton Bern (Berner Jura), können Frauen ab 50 alle zwei Jahre eine Mammografie-Routineuntersuchung machen lassen, deren Kosten von der Grundversicherung der Krankenkasse zurückerstattet wird. In den übrigen Deutschschweizer Kantonen ist man mit der Entwicklung derartiger Massnahmen noch nicht soweit.

 

Die Mammografie ist eine Röntgenaufnahme der Brust mit dem Ziel, einen Krebs im Frühstadium zu erkennen. (Präkanzerose oder Tumor kleiner als 1 cm). Wenn immer möglich, sollte man sich an ein Röntgeninstitut oder Brustzentrum wenden, das die digitale Mammografie durchführt und Erfahrungen hat im Durchführen dieser Untersuchung. Bei diesem Verfahren werden die Kontraste auf dem Computerbildschirm verstärkt, das Lesen der Bilder ist genauer, die Diagnose treffsicherer.

 

Brrr. Wenn also meine Brüste zwischen zwei kalte Platten gepresst werden, hat dies einen guten Grund: Die Röntgenaufnahmen werden dadurch genauer, die Bestrahlungsdosis kann so gering wie möglich gehalten werden.

 

Das Ergebnis der Mammografie erhalte ich bei einem systematisch organisierten Früherkennungsprogramm innerhalb von 3 bis 5 Tagen per Post. Die Röntgenbilder müssen nämlich von einem zweiten Radiologen, unabhängig vom Ersten, ausgewertet werden. Dieses Verfahren dient der Qualitätssicherung.

 

Wie sehen die zusätzlichen Untersuchungen aus?

 

Es handelt sich um die Ultraschalluntersuchung, die Magnetresonanztomografie und die Biopsie (siehe Diagnose). Um bei der Auswertung der Bilder und der Diagnose sicher zu gehen, wendet man sich am Besten an einen Brustkrebsspezialisten. Normalerweise wird man innerhalb der nächsten 24 Stunden einen Termin erhalten, wenn man am Telefon mitteilt, dass die Mammografie verdächtig sei. Die Kosten für die weiteren Untersuchungen werden von der Krankenkasse übernommen.

 

Achtung: Durch die Mammografie wird kein Krebs im Randbereich der Brust, auch nicht in den Achselhöhlen erkannt, sondern die Untersuchung betrifft nur das Gewebe in den Brüsten. Gerade aus diesem Grund ist und bleibt die Selbstuntersuchung so wichtig.


Was gibt es für Massnahmen um mit einem stark erhöhten Brustkrebsrisiko umzugehen?

 

Um festzulegen, welche Massnahmen sinnvoll sind, ist es als Erstes wichtig mein Brustkrebsrisiko einzuschätzen, unter Berücksichtigung meiner persönlichen Geschichte und Familiengeschichte an Krebserkrankungen. Das Brustkrebsrisiko ist dann entweder leicht, mässig oder stark erhöht. Um dieses Risiko herauszufinden, gehe ich am besten auf den Fragebogen des englischen National Institute for Health and Clinical Excellence OPERA (Online Personal Education and Risk Assessment, in Englisch verfasst).

 

  • Habe ich ein leicht erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken, so genügt es, wenn ich meine Brust aufmerksam beobachte und falls ich irgendeine Veränderung feststelle, unverzüglich einen Brustkrebsspezialisten aufsuche sowie ab dem 50. Lebensjahr z.B. alle 2 Jahre Mammographien durchführen lasse.
  • Habe ich ein mässig erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken, so sollte ich ebenfalls meine Brust aufmerksam beobachten und falls ich irgendeine Veränderung feststelle, unverzüglich einen Brustkrebsspezialisten aufsuchen sowie ab dem 40. Lebensjahr jährlich eine Mammographie durchführen zu lassen.
  • Habe ich ein stark erhöhtes Brustkrebsrisiko d.h. ein mindestens 30% Risiko an Brustkrebs zu erkranken im Lauf meines Lebens, so ist eine genetische Beratung zu empfehlen, um mein Risiko für Brustkrebs und allenfalls andere Krebserkrankungen genauer einzuschätzen, eine genetische Testung zu diskutieren und dem Krebsrisiko angepasste Überwachungsmassnahmen (Mammographie und Magnetresonanz) und Risikoreduktions-massnahmen zu besprechen.

 

Risikoreduktion


Es gibt aber auch Massnahmen, um mein Brustkrebsrisiko zu senken, für die ich mich entscheiden kann, wenn ich ein stark erhöhtes Brustkrebsrisiko habe.

Die Entfernung meines Brustdrüsengewebes mit oder ohne Aufbau senkt mein Brustkrebsrisiko um mindestens 90%.

Falls ich eine solche Operation in Betracht ziehe, ist es wichtig mit einem chirurgischen Team, das einen onkoplastischen Chirurgen miteinschliesst, die Operation inklusive der verschiedenen rekonstruktiven Optionen zu besprechen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Da die beidseitige Entfernung des Brustdrüsengewebes auch psychologisch ein grosser Eingriff ist, ist auch ein Gespräch mit einer in diesen Fragen geschulten Psychologin hilfreich.


Falls ich ein stark erhöhtes Eierstockkrebsrisiko habe wegen meiner persönlichen oder Familiengeschichte an Krebserkrankungen oder weil ich einen Fehler im BRCA1 oder BRCA2 Gen trage, kann ich mir auch die Entfernung meiner Eileiter und Eierstöcke überlegen.


Leider gibt es zurzeit noch keine Überwachungsmassnahmen für Eierstockkrebs deren Wirksamkeit belegt ist.


Wenn die Eileiter und Eierstöcke entfernt werden wird das Eierstockkrebsrisiko um 95% gesenkt und falls diese Operation vor der natürlichen Menopause erfolgt kann auch das Brustkrebsrisiko um bis zu 50% gesenkt werden.

 

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